Beim Umstieg von einer kohlenhydratreichen Ernährung auf LCHF oder Keto, wird in den ersten Tagen gewisse negative Nebeneffekte bemerken. Es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein, und auch zu verstehen, warum es zu diesen Effekten kommt. Die erste und intuitive Reaktion wäre wohl, die Ernährungsumstellung abzubrechen, schließlich fühlt man sich nicht gut. Doch wie bei vielen Umstellungsprozessen, ist der Anfang manchmal etwas holprig. Es gibt einige Aspekte, die die Umstellungsphase oft schwierig gestalten. Gewohnheiten, oft über Jahrzehnte antrainiert, müssen umgelernt werden. Vielen bereitet der Verzicht auf Zucker große Probleme und neue oder ungewohnte Lebensmittel stehen plötzlich auf der Speisekarte.

Einer der häufigsten Effekte, die in der Umstellungsphase auftreten, sind Kopfschmerzen, Schwächegefühl, Schwindel, niedriger Blutdruck oder sogar Gliederschmerzen. Auf Grund der Ähnlichkeit der Symptome mit einem grippalen Infekt, wird dieser Zustand auch gerne als „Atkins Flu“, Atkins Grippe“, „Keto Grippe“ oder „Low-Carb Grippe“ bezeichnet.

 

Was ist die „Keto Grippe“ und was kann man dagegen tun?

Einer der Haupteffekte von LCHF ist, dass die Menge an Insulin, die im Laufe des Tages ausgeschüttet wird, deutlich sinkt[i].  Insulin hat viele Funktionen im Körper. Neben seiner Rolle in der Regulation des Blutzuckers, hemmt es die Bildung von AGE, stimuliert die Bildung von Glutathion (einem der wichtigsten körpereigenen Antioxidantien), verbessert die Vitamin C Aufnahme und stimuliert die Schilddrüse.

Eine andere Aufgabe, die Insulin noch hat ist, die Wiederaufnahme (Resorption) von Salz über die Nieren zu regulieren[ii].  Salz-Transporter in den Nieren werden über Insulin gesteuert. Hyperinsulinämie (=dauerhaft erhöhter Insulinspiegel) begünstigt die Wiederaufnahme von Salz und auch anderen Elektrolyten. Sinkt der Insulinspiegel, dann wird in Folge auch mehr Salz über die Nieren und den Harn ausgeschieden. Gerade in der Anfangsphase, wenn der Insulinspiegel schnell sinkt, wird oft zu viel Salz und auch andere Elektrolyte ausgeschieden.

 

Wie lange dauert die Keto Grippe?

Die Anpassung an die neuen Gegebenheiten brauchen Zeit. Nach etwa einer Woche bis 10 Tagen hat sich die Niere an die neuen, niedrigeren Insulinlevel gewöhnt und die Salzresorption normalisiert sich.

Mit dieser neu gewonnenen Homöostase (Gleichgewicht) kann und soll mehr Salz konsumiert werden. Wie auch Fett, scheint es, dass Salz vor allem im Kontext einer high-carb Ernährung ein Problem für unseren Körper darstellt. Durch zu viel Insulin und einen ständig erhöhten Blutzucker werden die natürlichen Regulationsmechanismen außer Kraft gesetzt.

 

Muss man sich 10 Tage lang quälen? Nein!

Was tun gegen Keto-Grippe? Salz ist ein wichtiger Elektrolyt im Körper und scheiden wir zu viel davon aus, dann können die Eingangs erwähnten Symptome die Folge sein. Glücklicherweise gibt es eine einfache Strategie um die unangenehmen Nebeneffekte der Umstellungsphase abzuschwächen. Der beste Weg ist, einfach mehr Salz beim Kochen zu verwende. Sollte das nicht ausreichen, dann kann man im akuten Fall einfach ein Glas Leitungswasser mit einem Teelöffel Salz trinken. Die angenehmere Varianten ist ein Glas Suppe.

Ich persönlich trinke am Liebsten einfach ein Glas klare Rinderknochensuppe oder Hühnersuppe. Optimaler Weise natürlich selbstgemacht. Hast Du keine selbstgemachte Suppe, dann kann man auch einen Suppenwürfel in heißem Wasser auflösen.

Paleo bone broth diet, beef meat soup. Low-carb food, keto recipe.

Referenzen

[i] Noakes, Manny, et al. „Comparison of isocaloric very low carbohydrate/high saturated fat and high carbohydrate/low saturated fat diets on body composition and cardiovascular risk.“ Nutrition & metabolism 3.1 (2006): 7.

[ii] Tiwari, Swasti, Shahla Riazi, and Carolyn A. Ecelbarger. „Insulin’s impact on renal sodium transport and blood pressure in health, obesity, and diabetes.“ American Journal of Physiology-Renal Physiology 293.4 (2007): F974-F984.

[iii] Miller, Edgar R., Thomas P. Erlinger, and Lawrence J. Appel. „The effects of macronutrients on blood pressure and lipids: an overview of the DASH and OmniHeart trials.“ Current atherosclerosis reports 8.6 (2006): 460-465.

Mag. Julia Tulipan MSc

Julia Tulipan ist Biologin (Mag.), hält einen Master of Science in klinischer Ernährungsmedizin und ist Personal Fitness and Health Trainer (Dipl.). Sie schreibt für verschiedene Online-Magazine und für ihr eigenes Blog www.paleolowcarb.de vor allem zu den Themen gesunde und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Paleo-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft.

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