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  • Die ketogene Diät – missverstandenes Ernährungskonzept mit großem Potential

1920 machte Dr. Mynie Peterman, Arzt an der renommierten Mayo Klinik in Cleveland, eine bahnbrechende Beobachtung. Auf der Suche nach einer Möglichkeit seinen kleinen Epilepsiepatienten zu helfe, stieß er auf Berichte, dass das Fasten die Anfallshäufigkeit reduzierte oder gar gänzliche stoppte. Nun konnte er Kinder nicht für den Rest ihres Lebens fasten lassen, schließlich mussten die Kleinen ja noch wachsen und sich entwickeln. Bei seiner weiteren Forschung stieß er, zusammen mit seinem Kollegen Dr. Russel Wilder, auf besondere Moleküle, die Ketone. Die beiden Ärzte fanden heraus, dass Ketone typisch sind für den Fastenzustand und dass man ebenfalls Ketone im Blut nachweisen konnte, wenn die Kohlenhydrate in der Ernährung stark reduziert wurden. Das Besondere war, dass diese Art der Ernährung, den gleichen positiven Effekt auf die Epilepsie hatte, wie das Fasten. Seither ist die ketogene Ernährung eine anerkannte Therapie für Kinder mit Epilepsie und oft die letzte Hoffnung, wenn kein Medikament Erleichterung schafft.

Die ketogen Ernährung ist keineswegs ein moderner Trend, sondern blickt auf eine lange und wissenschaftlich sehr gut dokumentierte Geschichte zurück.

Was versteht man unter ketogener Ernährung?

Die ketogene („Keto“) Diät ist eine fettreiche, kohlenhydratarme Ernährungsform, bei der auf eine adequate Eiweißzufuhr geachtet wird.

Der Zweck der ketogenen Diät besteht darin, den Körper in einen Fettverbrennungszustand zu bringen – es werden also primär Fette anstelle von Kohlenhydraten als Brennstoff genutzt. Der Körper beginnt auch Ketone, kleine Energiemoleküle in der Leber zu bilden. Dies entspricht unserer eigentlichen evolutionären Programmierung. Ketone können dann bis zu 70% des Energiebedarfs unseres Gehirns abdecken. Sie reduzieren auch den Zuckerbedarf  anderer Zellen.

Ketogene Ernährung – was ist das?

Die Ketose ist ein natürlicher Stoffwechselzustand

Die Ketose ist ein natürlicher Stoffwechselzustand und vollkommen ungefährlich. Ketone spielen nämlich gerade in den ersten Wochen unseres Lebens eine wichtige Rolle.  Ketone haben eine große Bedeutung für das Gehirn des Neugeborenen. Wenige wissen, dass Neugeborene, die gestillt werden, natürlicherweise in Ketose sind. Die Muttermilch enthält viele MCTs. Ketone sind nicht nur essenziell für die Energieversorgung des jungen Gehirns, sondern liefert auch wichtige Bausteine[1].

 

Mythen und Missverständnisse rund um die ketogene Ernährung

Missverständnisse und Halbwissen bestimmt die Diskussion rund um die ketogene Ernährung. Meinungen werden als Fakten präsentiert und das führt zu Verunsicherung. Darum hier die häufigsten Mythen zur ketogenen Ernährung.

Bei Keto werden überhaupt keine Kohlenhydrate gegessen.

Die ketogene Ernährung ist KEINE no-carb Diät. Es werden nur die stärkehaltigen und sehr zuckerhaltigen Lebensmittel wie Getreide, Hülsenfrüchte und Süßigkeiten gemieden. Dafür dürfen jedoch weiterhin große Mengen an grünem Gemüse gegessen werden.

Bei Keto nimmt man zu wenig Ballaststoffe zu sich.

Leider glauben selbst viele Ernährungsexperten, dass sich Getreide die einzige Quelle für Ballaststoffe wäre. Dem ist nicht so. Gemüse, und vor allem grünes Gemüse liefert jede Menge Ballaststoffe.

Das Gehirn braucht Zucker

Rund 140 g Zucker, genauer gesagt Glukose, verbraucht unser Gehirn pro Tag. Dies verändert sich jedoch in der ketogenen Ernährung. Befindet man sich in Ketose, dann reduziert sich der Zuckerbedarf des Gehirns auf ca. 40 g pro Tag. Der restliche Energiebedarf wird über Ketone gedeckt. Doch Ketone sind nicht nur der „Notfalltreibstoff“, sondern stellen sogar die bevorzugte Energiequelle für das Gehirn da[2].

Ohne Kohlenhydrate werde ich müde

Initial kann es beim Umstieg auf Keto zu Müdigkeit oder auch Kopfschmerzen kommen. Dies ist normal und kann zwischen 5 und 10 Tagen dauern. Der Grund ist, dass die Zellen erst wieder „lernen“ müssen auch Fett und Ketone zur Energiebereitstellung zu nutzten. Wurde er doch Jahrzehnte lang mit alle paar Stunden mit einfachem Zucker versorgt. Da müssen erst Umstellungsprozesse angeworfen werden. Je nachdem wie gesund die Zellen sind, geht es schneller oder dauert eben etwas länger.

Was ist die Keto-Grippe?

Insulin erhöht die Resorption von Salz über die Niere[3]. Wer Kohlenhydrate reduziert, hat weniger Insulin im System und scheidet daher mehr Salz und andere Elektrolyte über die Niere aus. Die Folge sind Symptome wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und allgemeine Schwäche. Der Keto-Grippe kann man leicht entgegenwirken. Einfach mehr Salz verwenden und jeden Tag ein Glas Knochenbrühe trinken

 

[1]   Patel, M. S., et al. „The metabolism of ketone bodies in developing human brain: development of ketone‐body‐utilizing enzymes and ketone bodies as precursors for lipid synthesis.“ Journal of neurochemistry 25.6 (1975): 905-908.

[2] Guzmán, Manuel, and Cristina Blázquez. „Ketone body synthesis in the brain: possible neuroprotective effects.“ Prostaglandins, leukotrienes and essential fatty acids 70.3 (2004): 287-292.

[3] Soleimani, Manoocher. „Insulin resistance and hypertension: new insights.“Kidney international 87.3 (2015): 497-499.

Mag. Julia Tulipan MSc

Julia Tulipan ist Biologin (Mag.), hält einen Master of Science in klinischer Ernährungsmedizin und ist Personal Fitness and Health Trainer (Dipl.). Sie schreibt für verschiedene Online-Magazine und für ihr eigenes Blog www.paleolowcarb.de vor allem zu den Themen gesunde und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Paleo-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft.

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