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  • Ketogene Ernährung – was ist das?

Die ketogene („Keto“) Ernährung ist eine fettreiche, kohlenhydratarme Ernährungsform. Es schwirren viele Mythen und Missverständnisse rund um diese besondere Ernährungsform herum. Wir haben dir hier eine kurze Einführung in das Thema zusammengestellt und räumen mit den häufigsten Falschinformationen auf.

 

Ziel der ketogenen Diät besteht darin, den Körper in einen Zustand zu bringen in dem primär Fette anstelle von Kohlenhydraten als Brennstoff genutzt werden. 

Was ist Ketose?

Ketose ist ein natürlicher Prozess, den der Körper einleitet, um das Überleben zu sichern, wenn die Nahrungsknappheit herrscht oder einfach wenig Kohlenhydrate zur Verfügung stehen. In diesem Zustand produzieren wir Ketone, kleine Moleküle aus denen der Körper Energie herstellen kann. Diese Ketone werden aus dem Abbau von Fetten gebildet. Die Bildung findet in der Leber statt.

Warum erzeugt der Körper Ketone?

Ketone können schnell und einfach im Blut transportiert werden und stellen so eine schnell verfügbare Energiequelle dar. Wird gefastet oder nimmt man wenig Kohlenhydrate über die Nahrung auf, dann können die Ketone den Zucker als Energiequelle zu einem großen Teil ersetzten. Gleichzeitig verbessert sich die Nutzung von Fetten. Somit sinkt auch allgemein der Bedarf an Zucker. Organe, wie zum Beispiel dein Gehirn, können dann bis zu 70% ihres Energiebedarfs über Ketone decken.

Ketose ist eine natürliche Funktion des Körpers und hat nicht, wie viele glauben, ausschließlich mit Hungern oder Verhungern zu tun. Ketone spielen zum Beispiel bereits in den ersten Lebensmonaten eine ganz wichtige Rolle. Jedes Baby, das gestillt wird, befindet sich in Ketose. Ketone dienen in diesen ersten Lebensabschnitt nicht nur als Energielieferant sondern auch als Baustoff (Prins, M. 2012. Cerebral ketone metabolism during development and injury. Epilepsy Research. 100, 3 (2012), 218–223.).

 

Die ketogene Ernährung hat eine lange Geschichte

Die ketogene Ernährung ist kein moderner Trend, keine Modeerscheinung oder Erfindung aus Hollywood. Vor fast 100 Jahren, um genau zu sein 1921, fanden Dr. Russel Wilder und sein Kollege Dr. Peterman, beide Ärzte an der renommierten Mayo Clinic in Cleveland heraus, dass eine Diät, die einen Anstieg der Ketone im Blut ermöglichte, die Anfälle bei Kindern mit Epilepsie reduzierte oder sogar gänzlich stoppte. (Wilder, R. 1921. The effect on ketonemia on the course of epilepsy. Mayo Clin Bull. 1921, 2 (1921), 307.)

 

Wie wechselt man von Zucker zu Fett?

Wenn Du ein kohlenhydratreiches Lebensmittel isst, dann wandelt Dein Körper diese Kohlenhydrate in Glukose um. Dies verursacht einen „Insulin-Spike“, da Insulin die Glukose in die Zellen transportiert. Wenn Glukose vorhanden ist, wird Dein Körper erst sie verbrennen, bevor er Fett verbrennt.

Bei der ketogenen Ernährung kommt der Großteil der Energie aus Fett, Kohlenhydrate werden sehr stark reduziert und die Proteinmenge orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen. Die typische Makronährstoffverteilung bei der ketogenen Ernährung wäre dann: 70 – 90 % Fett, 10 – 20 % Protein und 5 – 10 % Kohlenhydrate.

Trotz dieser Rahmenbedingungen, ist die Zusammensetzung letzten Endes sehr individuell und hängt von zahlreichen Faktoren ab.

Typische Makronährstoffverteilung bei der Modifizierten Atkins Diät (eine Form der ketogenen Diäten)

 

Glucose ist die bevorzugte Energiequelle des Körpers – ist sie das?!

Das stimmt nur bedingt. Ist Glukose im Blut, dann wird sie auch zuerst genutzt. Das hat nichts mit einer „Vorliebe“ zu tun, sondern mit der einfachen Tatsache, dass ein erhöhter Blutzucker für den Körper eine Gefahr darstellt. Befindet sich zu viel Zucker im Blut, dann kann dieser Schäden anrichten. Was ein dauerhaft erhöhter Blutzucker anrichten kann, das sieht man an den Spätfolgen von Typ-2 Diabetes – Schädigungen der Nerven, Erblinden, Nierenschäden und Herz-Kreislauferkrankungen – um nur einige zu nennen.

Weniger Kohlenhydrate als Therapie

Epilepsie

Die ketogene Ernährung findet als Therapie bei kindlicher Epilepsie Anwendung. Wie schon erwähnt kann die Ketogene Diät hier auf eine lange Geschichte zurückblicken. Mehr Informationen dazu findet ihr in den Leitlinien der Gesellschaft für Neuropädiatrie (GNP), die unter der Leitung von Prof. Dr. Jörg Klepper erarbeitet wurden.

Leitlinien GNP zu ketogener Diät

Patientenorganisationen

Matthews Friends (UK) – https://www.matthewsfriends.org/

Charlie Foundation (US) – https://charliefoundation.org/

 

Diabetes Management

Die American Diabetes Association (ADA) und die European Association for the Study of Diabetes (EASD) haben sich in einem gemeinsamen Concensus Report für den Einsatz einer low-carb Ernährung als Therapieoption bei Diabetes Typ 2 ausgesprochen.

Original Artikel:

Management of Hyperglycemia in Type 2 Diabetes, 2018. A Consensus Report by the American Diabetes Association (ADA) and the European Association for the Study of Diabetes (EASD)
Melanie J. DaviesDavid A. D’AlessioJudith FradkinWalter N. KernanChantal MathieuGeltrude MingronePeter RossingApostolos TsapasDeborah J. Wexler and John B. Buse

http://care.diabetesjournals.org/content/early/2018/09/27/dci18-0033

Unterschied Ketose und Ketoazidose

Ich möchte nur ganz kurz auf die Ketoazidose eingehen. Die meisten Ärzte haben in ihrer Ausbildung Ketone nur im Zusammenhang mit der Ketoazidose kennen gelernt. Dies ist eine lebensbedrohliche Stoffwechselsituation, welche nur bei Typ-1 Diabetikern auftritt.

Definition aus der Wikipedia:

„Bei der Entstehung einer Ketoazidose häufen sich Ketonkörper im Blut an und vermindern dessen pH-Wert, verursacht durch einen langanhaltenden absoluten Insulinmangel. Durch den Insulinmangel können die Körperzellen kaum mehr Glucose aus dem Blut aufnehmen, da erst durch Insulin Glut 4 in die Zellmembranen verlagert wird. Dies führt zu einem unzureichend gedeckten Energiehaushalt der Zellen. Diese signalisieren dem Gehirn diesen Energiemangel worauf die Hormone Adrenalin, Noradrenalin sowie andere Insulin Antagonisten freigesetzt werden. Diese sorgen für einen erhöhten Fettabbau in den Fettgeweben. Das so freigesetzte Fett wird von der Leber in Ketonkörper umgebaut und in das Blut abgegeben.

Am häufigsten ist für die Anhäufung organischer Säuren im Blut die katabole Stoffwechselsituation bei Insulinmangelzuständen im Rahmen eines entgleisten Diabetes mellitus ursächlich (diabetische Ketoazidose).

Bei einer manifesten Ketoazidose findet man Ketonkörperkonzentrationen von 20 mmol/l oder mehr. Solche Werte sind bei gesunden Menschen, mit einer nahrungsinduzierter Ketose nicht erreichbar. Die nahrungsinduzierte Ketose bewegt sich in Bereichen von 0,5 – 7 mmol/l.

 

Keto – ein spannendes Werkzeug

Die ketogene Ernährung ist ein spannendes Werkzeug den eigenen Stoffwechsel zu beeinflussen und sich und seinen Körper besser kennen zu lernen. Muss jeder für den Rest seines Lebens in Ketose sein? Gewiss nicht, aber immer wieder in Ketose zu sein entspricht sicher unserem evolutionärem Erbe.

Wer die ketogene Ernährung nicht aus therapeutischen Gründen in sein Leben integrieren muss oder soll, kann einen zyklischen Ansatz wählen. Zeitweilige ketogene Phasen können immer wieder im Laufe des Jahres eingebaut werden. Manche wählen für die Keto-Phase den Winter und das Frühjahr, dann dies ist die Zeit in der in der Natur Kohlenhydrate rar sind und sich wohl auch unsere Vorfahren in Ketose befunden haben.

Bildquellen:

  • keto-diet-low-carb-concept-top-view-5HQ9BKW-web: By Fasci | © licensed via Envato

Mag. Julia Tulipan MSc

Julia Tulipan ist Biologin (Mag.), hält einen Master of Science in klinischer Ernährungsmedizin und ist Personal Fitness and Health Trainer (Dipl.). Sie schreibt für verschiedene Online-Magazine und für ihr eigenes Blog www.paleolowcarb.de vor allem zu den Themen gesunde und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Paleo-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft.

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  1. Lieber Verfasser,
    ich möchte die ketogene Ernährung künftig für mich nutzen.
    Danke für die Erklärungen, sie sehr hilfreich.
    Mit freundlichen Grüße
    Evelyn Bieber

    Reply

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